Was kann ein Pferd?

Hallo liebe Pferdefreunde

 

Wenn man mit Pferdebesitzern spricht hört man manchmal, dass es hier oder da etwas zu verbessern gäbe um sofort darauf hinzweisen es wäre sonst alles im grünen Bereich.

Die Beurteilung was ein Pferd kann, ist immer ein heikles Thema, denn wenn Besitzer sehr lange mit einem Pferd umgehen, wurde zwischen diesem Pferd und diesem Mensch eine Übereinkunft getroffen und die funktioniert in der Regel auch ganz gut. Diese beiden Lebewesen haben für sich einen Weg gefunden miteinander umzugehen und das muss man nicht kommentieren oder begründen und da gäbe es nicht das geringste zu kritisieren, zumindest so lange es in beiderseitigem Verständnis von Pferd und Mensch/Reiter geschieht.

Was bedeutet beiderseitiges Verständnis?

Es sollte bedeuten dass der jeweils andere versteht was gefordert/verlangt wird und der andere dem bestmöglich entspricht. Sollte das gelingen erarbeiten sich Mensch und Pferd eine Sprache die durch Aktion und Wirkung bestimmt wird.

Manchmal kommt es vor, dass nur diese beiden diese Sprache verstehen und für Aussenstehende ist es beinahe unmöglich dieses Aktion-Wirkungsprinzip zu durchschauen, es gleicht mehr einem Ratespiel was es braucht um das Pferd zu einer bestimmten Reaktion zu bewegen.

Diese Entwicklung sieht man vor allem bei Menschen die sich junge, unausgebildete Pferde kaufen ohne dabei besonders viel von Pferden zu verstehen und sich irgendwie zusammenraufen. Meist sind solche Menschen aufgrund einer sozialen Gruppe (Partnerschaft, Freundeskreis etc) plötzlich mit Pferden konfrontiert und sollen/wollen sich damit beschäftigen. Das kann ein Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung zu einem Tier mit gutem Tiefgang und großen Verständnis münden oder in einem oberflächlich gefundenen Friedensabkommen zwischen Mensch und Pferd.

 

Ausbildung ist kein individuelles Vergnügen.

Ein Pferd lebt meist nicht auf der Wiese hinterm Haus, sondern in einer Stallgemeinschaft in der sich andere/fremde Menschen um das Pferd kümmern, es füttern, den Stallbereich sauber machen und sich dabei nicht in Gefahr begeben wollen. Jeder Mensch der mit einem Pferd zu tun hat muss sich mit diesem Tier arrangieren, mit dem Tier auseinenadersetzen um für beide Seiten gefahrlos durch den Alltag zu kommen. Das gelingt meist auch ganz gut, hinschauen muss man bei den Ausnahmen.

Alles was über den normalen Umgang hinaus geht braucht es ein globales Verständnis über die Art und Weise wie man mit Pferde umgeht. Ich unterscheide dabei zwei Säulen:

1. Der Umgang an der Hand/vom Boden aus

2. Der Umgang beim Reiten

Punkt 1 ist Universal und muss für jedes Pferd gleichermaßen gelten. Das Pferd soll im Umgang angenehm und sicher sein. Man muss dem Pferd vertrauen sich vorhersehbar zu verhalten und dabei keine Dummheiten zu machen. das Prinzip des führens und des geführt werdens darf nicht in Geduldproben ausarten und auch nicht mit einer Raubtiernummer im Zirkus verglichen werden können.

Punkt 2 ist insoferne nicht universal da es bei den unterschiedlichen Reitstilen unterschiedliche Formen gibt um bestimmte Aktion zu verlangen, innerhalb des Reitstils sollte die jeweilige Aktion aber standardisiert sein. Das bedeutet dass zB eine Haltparade nach einem bestimmten Muster der Hilfen immer dazu führt dass ein Pferd stehen bleibt. Wird ein Pferd anders ausgebildet, zB lässt man das Pferd in eine Seite abwenden und so lange im Kreis gehen bis es irgendwann stehen bleibt, ist das auch eine Möglichkeit ein Halt zu praktizieren aber es wird eben nicht allgemein anerkannt werden. Interessant wird das dann wenn sich jemand so ein Pferd ausborgt und versuchen wird das Pferd vor einer Kreuzung zu einer viel befahrenen Straße anzuhalten.  Da hilft es wenig zu betonen dass das Pferd anhalten kann, wenn man raten muss wie das bewerkstelligt werden muss, wenn die bekannten Hilfen nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Man mag jetzt schmunzeln und das ins Reich der Fantasie schieben, leider habe ich diesen Fall erst vor zwei Tagen selbst miterlebt. Es war keine viel befahrene Straße, aber es war auf einem Weg auf dem während des Geländeritts ein Halt angesagt wurde und es gab keine Chance das Pferd auf die bekannte Weise zu stoppen. Jeder kann sich bildhaft ausmalen dass solche Situationen ganz schnell sehr ernsthafte Folgen haben können. Ich leitete die Gruppe an und war mir bewusst die Wege und das Tempo an diese Gegebenheit anzupassen. Am Rande sei erwähnt dass bei diesem Ausritt keinerlei Gefahr bestand und das Ziel auch ohne Zwischenfälle erreicht wurde. Dennoch bleiben Fragen offen.

Spricht man mit dem Besitzer ist der überzeugt dass sein Pferd die grundsätzlichen Abläufe beherrscht und in der Halle kann das auch abgerufen werden. In anderer Umgebung führen die gleichen Hilfen aber zu einem völlig anderen Resultat, sie werden ignoriert. Warum werden sie ignoriert?

Da gibt es sicher zahlreiche Erklärungen, jene die am häufisgten zutrifft ist eine Diskrepanz zwischen den Wünschen des Menschen mit jenen des Pferdes, es ist die Überforderung aufgrund der Situation. Und dann stellt sich die Frage: Was kann das Pferd? oder besser formuliert: Wie kann ein Pferd was?

In der vorgestellten Situation kommt man schnell zu der Erkenntnis das Pferd kann nichts, weil es eine der wichtigsten Übereinkünfte, "stehen bleiben wenn es angezeigt wird", nicht funktioniert und man immer mit der Handbremse arbeiten müsste. Das Nicht-Anhalten ist tatsächlich eine jener Aktion/Wirkungs-Punkte die unter allem Umständen ohne Wenn und Aber klappen müssen. Welche Umstände und Punkte das sind kann ich gerne an andere Stelle ausführlicher bleuchten aber soviel sei gesagt: die grundsätzlichen Umgangsformen, die einem Pferde durch die Instinkte mit ins Leben gegeben wurden, müssen in ein anderes Verständnis gebracht werden.

Die Ausbildung eines Pferdes ist zeitaufwendig und umfangreich. Ich denke ein Pferd zu entwicklen kann (mit Anleitung)  einem Anfänger  durchaus gut gelingen. Die Kombination Anfänger-Mensch:Anfänger-Pferd ist die denkbar ungünstigste Ausgangssituation aber auch die kann gemeistert werden. Es braucht Engagement, Beobachtungsgabe und einen tiefen Wunsch des verstehens um die fehlende Erfahrung wett zu machen.

Was ein Pferd kann, ist eine sichtbare Umsetzung in Bewegungen durch eine allgemein akzeptierte Form der Aufforderung. Mit anderen Worten muss es jedem kundigen möglich sein die gleichen Abläufe mit den gleichen Aufforderungen zu erreichen. Ist das ansatzweise möglich kann man daran arbeiten es zu verbessern und wenn es gar nicht klappt muss man auch davon sprechen dass ein Pferd etwas nicht kann.

Was muss ein Pferd können?

Das ist eine Frage die ich in einem der nächsten Einträge widme und daraus möchte ich eine Reihe machen in der Anforderungsprofile herausgearbeitet werden, was unbedingt gebraucht wird um Pferde eine gute Ausbildung zu geben.

 

Lieben Gruß

Permalink 22.04.14 13:21:00, von milestone E-Mail , 1114 Wörter, Kategorien: Grundlagen , 1 Kommentar »

Die Grenzen der Pferdwelt/Die unschöne Seite von Pferdefesten

Immer wieder kommt es im Umgang mit Pferden zu Unfällen. Das betrifft sowohl jene die regelmäßig mit Pferden zu tun haben als auch jenen die sonst keinerlei Kontakt zu Pferden haben.

Viele Pferdefreunde sind mit ihren Pferden immer wieder auf Festen anzutreffen, bei denen es in erster Linie um Pferde geht. Diverese Veranstaltungen finden jedes Jahr in gewohnter Regelmäßigkeit statt.

Bei traditionellen Treffen ist ein Umzug mit Pferden oder auch herausfordernde Reiterspiele gern gesehene Attraktionen von Pferd und Reiter, gefolgt von geselligem Beisammensein. Man trifft alte Bekannte, tauscht sich über alle möglichen Themen rund ums Pferd aus, verfolgt Trends, Erfahrungen und alte und neue Geschichten über Dies und Das.

Diese Gelegenheit zieht viele Zuschauer und Besucher an. Pferdeaffine und Schaulustige mischen sich unter das Reitervolk und begutachten aus nächster Nähe die eigentlichen Stars dieser Veranstaltungen: Die Pferde, die herausgeputzt auf den weiteren Ablauf warten.

Leider muss man auch die Schattenseiten dieser zumeist friedlichen Veranstaltungen besprechen.

Für Pferde sind diese Treffen vor allem eins: Unangenehm. Es gibt wahrlich wenig Pferde die als Show-Stars auf die Welt gekommen sind und naturgemäß dem Trubel nichts abgewinnen können. Die Pferde die für solche Treffen gestriegelt und gesattelt werden sind auch selten Turnierpferde, die es gewohnt sind in anderer Umgebung auf andere Pferde und Menschenmaßen zu treffen, wo laut musiziert wird und ein gewisser Lärmpegel herrscht. Diese Pferde sind meist Freizeitpferde mit denen mehr oder weniger intensiv geübt wird, die in der Abgeschiedheit einer Trainingshalle ihre Lektionen lernen und bei Schönwetter ihre Besitzer in der Natur spazieren tragen.

Diese Pferde haben kein besonders ausgeprägtes Nervenkostüm um mit der veränderten Situation zurecht zu kommen, viele Pferde wollen nur eins: in eine gewohnte Umgebung zurück in der sie sich sicher fühlen.

Immer wieder kann man beobachten wie Menschen unbedarft zu fremden Tieren gehen um sie zu streicheln oder mitgebrachte Speisen als Belohnung geben. Ich unterstelle diesen Leuten keine böse Absicht, dennoch muss man als verantwortungsbewusster Pferdekenner einschreiten und die Motive erfragen. Kinder spielen, rennen schreiend, wild gestikulierend herum und leben in aller Exzesivität ihre Kindheit aus, ungeachtet der Umstände wo sie sich befinden. Eltern mit den meist dazupassenden Kindern sieht man bei solchen Veranstaltungen regelmäßig und die Lernkurve dieser Leute ist nach meiner Beobachtung extrem flach. Wie kann man es sonst erklären dass man sich dann der Frage gegenübersteht, ob man nicht verstehe wie das für die Kinder ist? dass man keine Ahnung von Kindern hätte?

Was impliziert diese Frage/Unterstellung?

Muss ich verstehen dass man kindlichem Übermut und Spieltrieb unter allen Umständen freien Lauf lassen muss? Bekommen Kinder einen Hirnschaden wenn man sie bremst und sie über die Lage informiert, dass Pferde keine Spielzeugfiguren sind, die man üblicherweise in diversen Kinder-TV-Sendungen serviert bekommt? Ich denke nicht dass Kinder einen irreparablen geistigen Schaden davontragen wenn man ihnen den korrekten Umgang mit Pferden zeigt und sie damit hindert völlig hemmungslos im Umkreis von Pferden zu tollen.

Eltern die sich mit Pferden auskennen werden in den seltensten Fällen mit Kindern zu solchen Veranstaltungen kommen die sich nicht zu benehmen wissen, die im Umgang mit Pferden eine Art an den Tag legen, die geeignet ist Angst und Unsicherheit zu vermitteln.

Eltern die so eine Veranstaltung mit einem Zoo verwechseln oder jedes Terrain ungeachtet der Umstände als Spielplatz für ihren Nachwuchs betrachten haben bei solchen Treffen keinen Platz. Sie sind im Grunde eine Gefahr für die Sicherheit und Unversehrheit von Pferd, Reiter und Besucher. Kinder die Knallköper hinter den Pferden zünden, mit Gerten auf fremde Pferde einschlagen weil sie die Reaktionen für lustig halten, Eltern die ohne zu fragen ihre Kleinkinder auf fremde Pferde setzen um sie im Kreis zu führen und sich das Pferd losreißt und dabei das Kind gegen einen Baum geworfen wird, Kindern die mit einem Laufrad auf Pferd und Reiter zufährt, absteigt und die letzten Meter das Rad gegen die beiden schießt und das scheuende Pferd schwer stürzt etc. sind nur ein kleiner Auszug von persönlichen Erlebnissen. Solches Treiben zu stoppen kann nicht ernsthaft als Eingriff in die freie Entfaltungsmöglichkeit von Heranwachsenden/Kindern verstanden werden! Solche Dinge sind keine ausgelassene Spielvariante, es ist und bleibt eine furchtbare Tierquälerei und es bleibt mir unverständlich wenn Eltern sich anstatt zu entschuldigen, diesen Umgang auch noch als normales Verhalten von Kindern erklären. Was soll man solchen Menschen antworten?

Es ist schlimm wenn Kinder durch die Unvernunft, die bei solchen Treffen zu sehen sind, verletzt werden, vor allem dann wenn Pferde Kinder umreißen, treten oder gar drauf trampeln. Die Folge sind immer schwere Verletzungen mit physischen und manchmal auch psychischen Schäden, immer gefolgt von Vorwürfen, Erklärungsversuchen und haltlose Vorhaltungen als würde man mit Absicht ein Pferd auf die Besucher loslassen. Die verstehen in dem Moment gar nicht dass Pferde in Umständen der Unsicherheit und Angst bis hin zur Panik einzig ihrem Instinkt folgen. Die verstehen nicht dass das ein Tier ist und kein Mensch, es sind und bleiben Tiere mit ihren angeborenen Fähigkeiten.

Verantwortlich sind die Menschen und von denen die ein Pferdefest dazu nutzen sich dem Thema Pferd hautnah zu nähern gibt es jene die ihre Kinder nicht aufklären, jedoch jede Anleitung dankend annehmen und es gibt jene die vollkommen beratungsresistent gegen den Willen der Besitzer die Pferde zum eigenen Gaudium und zur Belustigung/Ablenkung ihrer Kinder mißbrauchen.

Solche Menschen und solche Kinder, die nur kommen um zu stören, sind nicht gerne gesehen und ich plädiere an alle Veranstalter solcher Feste zum Wohle Aller diese absolute Minderheit von Unbelehrbaren von Treffen auszuschließen und raus zu schmeißen. Ich plädiere auch an Eltern/Menschen die nicht verstehen dass Pferde anschauen in den meisten Fällen eine gute Distanz braucht oder das Einverständnis der Besitzer sich einem Tier zu nähern keinen Besuch solcher Feste planen soll.

Unfälle und Vorkommnisse wird es nicht verhindern aber wenn zu solchen schönen Zusammentreffen nur Leute und ihre Entourage kommen die sich entsprechend benehmen können und sich auch zurückhalten ist schon viel gewonnen. In diesem Sinne wünsche ich allen einen entspannten, fröhlichen Leonhardiritt.

 

Lieben Gruß

Permalink 31.10.13 15:53:00, von milestone E-Mail , 1055 Wörter, Kategorien: Veranstaltungen , Einen Kommentar hinterlassen »

Willkommen im reiterstüberl

Es gibt auf dieser Seite für den Beginn vier Blogs mit unterschiedlichen Schwerpunkten

  • Das Pferdedorf: Hier bist Du gerade und in diesem Blog geht es um Pferde, ihr Leben, die Haltung, Training und vieles mehr
  • Das schwarze Brett: Hier findest Du Erfahrungen über Ausrüstung, Events aber auch meine Erfahrung über Trainingsmöglichkeiten für den Reiter.
  • Linkblog: Standardmäßig ist dieses Blog als eine "Blogrolle" in der Seitenleiste der Blogs A und B eingebunden.
  • Bilder: Dieses Blog zeigt euch Bilder die ich während der Arbeit mit Pferden mache oder Naturaufnahmen.

Viel Spaß beim blättern wünscht euch

Thomas

Permalink 02.05.13 14:27:00, von admin E-Mail , 102 Wörter, Kategorien: Welcome , Einen Kommentar hinterlassen »

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