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Aufbau von Pferden

Liebe Pferdefreunde

Mit dem Stallwechsel und neuer Umgebung braucht es eine Zeit der Eingewöhnung. Aufgrund der nicht optimalen Haltung im vorherigen Stall, welche schon gesundheitlich auffällig war, muss  das Pferd in kleinen Schritten aufgebaut werden.

1. Ernährung

Die größte Umstellung war die Ernährung und ich habe das mit einer gewissen Aufmerksamkeit verfolgt. Die Fütterung, die Mengen und die Futterqualität hat sich um Welten verbessert und man kann es jetzt als artgerecht bezeichnen. Der Organismus stellt sich aber nicht innerhalb von ein paar Stunden auf das neue Angebot ein und muss bis zu einem gewissen Grad begleitet werden.

Das Pferd hat in den ersten Wochen an Gewicht zugelegt, der Anteil der Muskulatur blieb aber naturgemäß etwas zurück und das verbesserte Futterangebot hat sich auch dahin gehend ausgewirkt Gelenke und Sehen vermehrt zu belasten. Es folgte auch die Notwendigkeit die Energie für den Muskulaufbau zu nutzen um Körperfett zu vermeiden, was auch zu körperlichen Störungen führen kann.

2. Training

Das Training wurde und musste nach einer langen Zeit der gesundheitlichen Probleme, die einen wirksamen Aufbau wiederholt verhindert hatten, sehr langsam und behutsam begonnen werden. Am Anfang standen Ausflüge und Spaziergänge zu Fuß mit dem Pferd am Führstrick. Kurze Runden wurden stetig erweitert und durch zunehmend bergauf und bergabstrecken immer weiter gesteigert.

Schritt gehen baut Muskulatur auf und man orientiert sich dabei am Futterangebot, das am Anfang ausschließlich aus Heu bestehen sollte. Ganz Allgemein gilt, beim aufwärmen sollte man grundsätzlich, auch im fortgeschrittenem Trainingszustand, darauf achten gut 10 Minuten Schritt gehen zu lassen um die Gelenke auf das Training vorzubereiten.

Longen, zum Teil über Stangen und Cavaletti mit vielen Übergängen helfen dabei die Hinterhand zu verstärken und die Rückenmuskulatur zu kräftigen. Unetrschiedliche Übungen an der Longe verbessern auch die Gymnastizität und die Biegsamkeit des Pferdes und mittels Übergängen kann man bereits etwas an der Durchlässigkeit arbeiten. Weitere Übungen an der Hand helfen bei der Koordination, der Dehnung und auf leichten Druck zu reagieren.

Auf das Herz-Kreislaufsystem sollte man nicht vergessen, den Pferde bauen recht schnell Muskulatur auf und diese muss auch mit Sauerstoff versorgt werden. Dazu baut man in das Training Ausritte ein, bei denen das Pferd immer wieder auf längeren Strecken im Trab gehen kann. Eine leichte Form des Intervalltrainings kann man hier bereits einbauen, also Schritt mit kurzen Trab-Strecken zu unterbrechen, wobei die Distanz im Trab immer weiter gesteigert werden kann. Auch sollte man die Ausritte von Anfangs 20 bis 30 Minuten mit der Zeit auf gut 2 Stunden ausdehnen. Sind Anfangs Ausritte nur im Schritt eine gute Form kräftigend zu wirken, muss man feststellen, dass Ausritte die immer nur im Schritt passieren zu einer (individuell unetrschiedlichen) Diskrepanz zwischen Muskelmasse und Sauerstoffversorgung führen kann.

Fließend sollte man Steigungen in die Ausreitstrecken einbauen, das aktiviert die Hinterhand und hilft beim geraderichten und es fordert und fördert das Herz-Kreislaufsystem und mit der Zeit können und sollten diese Strecken auch flotter absolviert werden. Auch im Gelände und bei Ausritten sind Übungen nicht verboten, sei es Seitengänge zu üben und speziell die Versammlung für kurze Momente einzubauen.

3. Training am Platz

Mit steigender Kraft können zunehmend Übungen für den Aufbau des Pferdes am Reitplatz trainiert werden. Gymnastizierung und Balance stehen am Anfang deutlich im Vordergrund.

 

Die Punkte sind nicht strikt getrennt zu betrachten, sondern haben natürlich Überschneidungen und Übergänge. Auch die Trainingsintensität muss an sich an der psychischen und physischen Kraft des Pferde orientieren. Dauern die Einheiten am Anfang vielleicht 15 Minuten wird das in Folge ausgedehnt auf das erreichen des Trainingsziels, das dann entweder in 30 Minuten erzielt wird oder auch mal 45 Minuten oder länger dauern kann.

 

Bevor man ein Pferd trainiert oder wieder aufbauen will braucht es ein Grundkonzept, das zumindest 6 bis 9 Monate umfassen soll. Ein Pferd schneller aufbauen zu wollen ist nicht nachhaltig genug und vermutlich auch nicht besonders schonend.

Das Grundkonzept sollte folgende Fragen beantworten:

- Wieviele Tage pro Woche kann/soll mit dem Pferd trainiert werden? Man sollte jeden Tag mit dem Pferd arbeiten aber nicht immer ist es Beritt und Longe, auch mal ein Tag mit sozialem Anspruch darf sein. Belastet man Pferde anfangs mit 2 bis 3 Mal pro Woche, steigert sich das über die Monate langsam auf 6 mal pro Woche, immer mit unterschiedlichen Einheiten und Dauer dieser Trainingsabschnitte

- Wo kann ich trainieren? Optimal sind Gebiete in denen man weite Strecken in der Ebene findet aber auch bergaufstrecken, auf denen man mind. 15 Minuten am Stück zügig bergauf reiten kann, mit unterschiedlichen Steigungsgraden. je nach Witterung sind Halle, Aussen-Reitplatz und Roundpen gute Trainingsumgebungen um das Programm umzusetzen.

-Wie trainiere ich? Immer mit Ruhe und jeder Einheit muss ein Ziel gesetzt werden. Es kann ja nach Kenntnisstand ein Trainer hinzugezogen werden um Übungen vorzugeben und die schrittweise Arbeit begleitet werden. Der Umgang mit dem Pferd muss spielerisch und selbstverständlich erfolgen.

-Wann trainiere ich? Das ist natürlich individuell. Pferde empfinden eine gewisse Regelmäßigkeit auch zu gleichen Zeiten als Sicherheit und sie können sich darauf einstellen. Für den Anfang mag das auch ein schöner Einstieg sein, später sollte man die Zeiten variieren um eine eingefahrene Routine zu vermeiden, denn wir wollen ja immer ein aufgewecktes, interessiertes, motiviertes Pferd und keines das nur zu bestimmten, gewohnten Zeiten die Punkte A bis H und später dann von R bis W abspult.

-Was trainiere ich? Trainingsziele setzen; Was will ich an dem Tag erreichen? Was soll das Pferd zeigen? Womit kann ich die Trainingseinheit zufrieden beenden? Das sind die Fragen die man sich vor jedem einzelnen Training stellen muss. Reicht es am Anfang eine Runde im Schritt gegangen zu sein, wird es später vielleicht reichen wenn das Pferd eine Runde geradeaus am Hufschlag geht oder die Stellung beim Handwechsel freudig annimmt, gut am Zügel geht, Übergänge motiviert umsetzt etc. oder an der Longe gezielt Gangarten wechselt, eine gute Tempokontrolle möglich ist und das Pferd taktrein geht usw.

Planung ist wichtig und muss sich stets am Individium orientieren, besondere allgemeine Zeiten wann etwas klappen muss und wann ein Pferd wie weit sein sollte führt zu keinem guten Ergebnis. Nimm Dir die Zeit die es braucht, denn Du wirst erkennen, dass genau dieser gemeinsame Weg durch diese vielen Stunden geprägt wird und nicht durch die paar Minuten am Abreitplatz oder beim Turnier.

 

- Wie gehe ich mit Problemen um? Ehrlich, nur das hilft. So zu tun als ob man etwas im Griff hat, sich etwas vorzumachen sind Eigenschaften die ein Pferd irritieren. Ärgere Dich, wenn Dich was ärgert, das darfst Du auch zeigen und so lange es vom Pferd verstanden wird ist das in Ordnung. Pferde wie von Sinnen zu behandeln versteht niemand, deshalb ist das auch kontraproduktiv und schädlich für die Beziehung. Mit einem Pferd darf man schimpfen - soferne nicht andere Anwesende gestört werden. Was natürlich nicht geht ist das Pferd zu schlagen, im Sinne es zu verdreschen, das ist völliger Unsinn und steht niemals in einem Kontext zu Ärger, sondern zur Wut - das geht gar nicht.

In der Kommunikation, ich wiederhole mich hier sicher, ist es wichtig die Aktion zu erklären, sei es mit Lob oder auch dem Ausdruck der Unzufriedenheit. Beim Lob ist man entspannt, die Stimme ist lobend und ruhig. Bei der Unzufriedenheit ist der Körper unter Spannung und die Stimme angestrengter und das ist nur für die Dauer der Reaktion, für wenige Sekunden wirklich hilfreich und verständlich.Sobald man dem Pferd zu verstehen gegeben hat das dies nicht ganz das ist was man wollte, muss man sich innerlich zurücklehnen, die angespannte Situation auflösen und erneut versuchen, wobei es meist wenig Sinn hat genau das gleiche Signal zu setzen in der Hoffnung, das Pferd probiert irgendwas anderes was einem jetzt gefällt. Teile die Übung in kleinere Schritte auf und entwickle den Erfolg. Stur immer etwas gleich zu machen und zu hoffen daraus erkennt das Pferd irgendwann etwas anderes ist reine Zeitverschwendung. Neu aufbauen und hinführen ist das einzige Konzept das hilft.

Noch ein paar Hinweise: Keine endlosen Wiederholungen. In der modernen Ausbildung von Pferden ist es längst state of the art ein Pferd zu haben dass lernt und assoziativ handelt und nicht eins das konditioniert wird. Es soll keine reflexartigen Reaktionen durch eine Hilfe kommen, sondern die Bereitschaft erlerntes in unterschiedlichen Variationen anzubieten.

Da sind wir aber bei einem anderen Thema mit dem ich mich bei anderer gelegenheit näher befasse.

Zum Schluß noch etwas Wichtiges:

Kein Pferd ist zu alt um mit etwas neuem zu beginnen oder etwas zu lernen oder aufgebaut zu werden, wenn das Pferd gesundheitlich dazu in der Lage ist und den physischen Anforderungen gerecht werden kann.

Permalink 20.12.16 17:54:00, von admin E-Mail , 1472 Wörter, Kategorien: Haltung ,

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