Aufbau von Pferden

Liebe Pferdefreunde

Mit dem Stallwechsel und neuer Umgebung braucht es eine Zeit der Eingewöhnung. Aufgrund der nicht optimalen Haltung im vorherigen Stall, welche schon gesundheitlich auffällig war, muss  das Pferd in kleinen Schritten aufgebaut werden.

1. Ernährung

Die größte Umstellung war die Ernährung und ich habe das mit einer gewissen Aufmerksamkeit verfolgt. Die Fütterung, die Mengen und die Futterqualität hat sich um Welten verbessert und man kann es jetzt als artgerecht bezeichnen. Der Organismus stellt sich aber nicht innerhalb von ein paar Stunden auf das neue Angebot ein und muss bis zu einem gewissen Grad begleitet werden.

Das Pferd hat in den ersten Wochen an Gewicht zugelegt, der Anteil der Muskulatur blieb aber naturgemäß etwas zurück und das verbesserte Futterangebot hat sich auch dahin gehend ausgewirkt Gelenke und Sehen vermehrt zu belasten. Es folgte auch die Notwendigkeit die Energie für den Muskulaufbau zu nutzen um Körperfett zu vermeiden, was auch zu körperlichen Störungen führen kann.

2. Training

Das Training wurde und musste nach einer langen Zeit der gesundheitlichen Probleme, die einen wirksamen Aufbau wiederholt verhindert hatten, sehr langsam und behutsam begonnen werden. Am Anfang standen Ausflüge und Spaziergänge zu Fuß mit dem Pferd am Führstrick. Kurze Runden wurden stetig erweitert und durch zunehmend bergauf und bergabstrecken immer weiter gesteigert.

Schritt gehen baut Muskulatur auf und man orientiert sich dabei am Futterangebot, das am Anfang ausschließlich aus Heu bestehen sollte. Ganz Allgemein gilt, beim aufwärmen sollte man grundsätzlich, auch im fortgeschrittenem Trainingszustand, darauf achten gut 10 Minuten Schritt gehen zu lassen um die Gelenke auf das Training vorzubereiten.

Longen, zum Teil über Stangen und Cavaletti mit vielen Übergängen helfen dabei die Hinterhand zu verstärken und die Rückenmuskulatur zu kräftigen. Unetrschiedliche Übungen an der Longe verbessern auch die Gymnastizität und die Biegsamkeit des Pferdes und mittels Übergängen kann man bereits etwas an der Durchlässigkeit arbeiten. Weitere Übungen an der Hand helfen bei der Koordination, der Dehnung und auf leichten Druck zu reagieren.

Auf das Herz-Kreislaufsystem sollte man nicht vergessen, den Pferde bauen recht schnell Muskulatur auf und diese muss auch mit Sauerstoff versorgt werden. Dazu baut man in das Training Ausritte ein, bei denen das Pferd immer wieder auf längeren Strecken im Trab gehen kann. Eine leichte Form des Intervalltrainings kann man hier bereits einbauen, also Schritt mit kurzen Trab-Strecken zu unterbrechen, wobei die Distanz im Trab immer weiter gesteigert werden kann. Auch sollte man die Ausritte von Anfangs 20 bis 30 Minuten mit der Zeit auf gut 2 Stunden ausdehnen. Sind Anfangs Ausritte nur im Schritt eine gute Form kräftigend zu wirken, muss man feststellen, dass Ausritte die immer nur im Schritt passieren zu einer (individuell unetrschiedlichen) Diskrepanz zwischen Muskelmasse und Sauerstoffversorgung führen kann.

Fließend sollte man Steigungen in die Ausreitstrecken einbauen, das aktiviert die Hinterhand und hilft beim geraderichten und es fordert und fördert das Herz-Kreislaufsystem und mit der Zeit können und sollten diese Strecken auch flotter absolviert werden. Auch im Gelände und bei Ausritten sind Übungen nicht verboten, sei es Seitengänge zu üben und speziell die Versammlung für kurze Momente einzubauen.

3. Training am Platz

Mit steigender Kraft können zunehmend Übungen für den Aufbau des Pferdes am Reitplatz trainiert werden. Gymnastizierung und Balance stehen am Anfang deutlich im Vordergrund.

 

Die Punkte sind nicht strikt getrennt zu betrachten, sondern haben natürlich Überschneidungen und Übergänge. Auch die Trainingsintensität muss an sich an der psychischen und physischen Kraft des Pferde orientieren. Dauern die Einheiten am Anfang vielleicht 15 Minuten wird das in Folge ausgedehnt auf das erreichen des Trainingsziels, das dann entweder in 30 Minuten erzielt wird oder auch mal 45 Minuten oder länger dauern kann.

 

Bevor man ein Pferd trainiert oder wieder aufbauen will braucht es ein Grundkonzept, das zumindest 6 bis 9 Monate umfassen soll. Ein Pferd schneller aufbauen zu wollen ist nicht nachhaltig genug und vermutlich auch nicht besonders schonend.

Das Grundkonzept sollte folgende Fragen beantworten:

- Wieviele Tage pro Woche kann/soll mit dem Pferd trainiert werden? Man sollte jeden Tag mit dem Pferd arbeiten aber nicht immer ist es Beritt und Longe, auch mal ein Tag mit sozialem Anspruch darf sein. Belastet man Pferde anfangs mit 2 bis 3 Mal pro Woche, steigert sich das über die Monate langsam auf 6 mal pro Woche, immer mit unterschiedlichen Einheiten und Dauer dieser Trainingsabschnitte

- Wo kann ich trainieren? Optimal sind Gebiete in denen man weite Strecken in der Ebene findet aber auch bergaufstrecken, auf denen man mind. 15 Minuten am Stück zügig bergauf reiten kann, mit unterschiedlichen Steigungsgraden. je nach Witterung sind Halle, Aussen-Reitplatz und Roundpen gute Trainingsumgebungen um das Programm umzusetzen.

-Wie trainiere ich? Immer mit Ruhe und jeder Einheit muss ein Ziel gesetzt werden. Es kann ja nach Kenntnisstand ein Trainer hinzugezogen werden um Übungen vorzugeben und die schrittweise Arbeit begleitet werden. Der Umgang mit dem Pferd muss spielerisch und selbstverständlich erfolgen.

-Wann trainiere ich? Das ist natürlich individuell. Pferde empfinden eine gewisse Regelmäßigkeit auch zu gleichen Zeiten als Sicherheit und sie können sich darauf einstellen. Für den Anfang mag das auch ein schöner Einstieg sein, später sollte man die Zeiten variieren um eine eingefahrene Routine zu vermeiden, denn wir wollen ja immer ein aufgewecktes, interessiertes, motiviertes Pferd und keines das nur zu bestimmten, gewohnten Zeiten die Punkte A bis H und später dann von R bis W abspult.

-Was trainiere ich? Trainingsziele setzen; Was will ich an dem Tag erreichen? Was soll das Pferd zeigen? Womit kann ich die Trainingseinheit zufrieden beenden? Das sind die Fragen die man sich vor jedem einzelnen Training stellen muss. Reicht es am Anfang eine Runde im Schritt gegangen zu sein, wird es später vielleicht reichen wenn das Pferd eine Runde geradeaus am Hufschlag geht oder die Stellung beim Handwechsel freudig annimmt, gut am Zügel geht, Übergänge motiviert umsetzt etc. oder an der Longe gezielt Gangarten wechselt, eine gute Tempokontrolle möglich ist und das Pferd taktrein geht usw.

Planung ist wichtig und muss sich stets am Individium orientieren, besondere allgemeine Zeiten wann etwas klappen muss und wann ein Pferd wie weit sein sollte führt zu keinem guten Ergebnis. Nimm Dir die Zeit die es braucht, denn Du wirst erkennen, dass genau dieser gemeinsame Weg durch diese vielen Stunden geprägt wird und nicht durch die paar Minuten am Abreitplatz oder beim Turnier.

 

- Wie gehe ich mit Problemen um? Ehrlich, nur das hilft. So zu tun als ob man etwas im Griff hat, sich etwas vorzumachen sind Eigenschaften die ein Pferd irritieren. Ärgere Dich, wenn Dich was ärgert, das darfst Du auch zeigen und so lange es vom Pferd verstanden wird ist das in Ordnung. Pferde wie von Sinnen zu behandeln versteht niemand, deshalb ist das auch kontraproduktiv und schädlich für die Beziehung. Mit einem Pferd darf man schimpfen - soferne nicht andere Anwesende gestört werden. Was natürlich nicht geht ist das Pferd zu schlagen, im Sinne es zu verdreschen, das ist völliger Unsinn und steht niemals in einem Kontext zu Ärger, sondern zur Wut - das geht gar nicht.

In der Kommunikation, ich wiederhole mich hier sicher, ist es wichtig die Aktion zu erklären, sei es mit Lob oder auch dem Ausdruck der Unzufriedenheit. Beim Lob ist man entspannt, die Stimme ist lobend und ruhig. Bei der Unzufriedenheit ist der Körper unter Spannung und die Stimme angestrengter und das ist nur für die Dauer der Reaktion, für wenige Sekunden wirklich hilfreich und verständlich.Sobald man dem Pferd zu verstehen gegeben hat das dies nicht ganz das ist was man wollte, muss man sich innerlich zurücklehnen, die angespannte Situation auflösen und erneut versuchen, wobei es meist wenig Sinn hat genau das gleiche Signal zu setzen in der Hoffnung, das Pferd probiert irgendwas anderes was einem jetzt gefällt. Teile die Übung in kleinere Schritte auf und entwickle den Erfolg. Stur immer etwas gleich zu machen und zu hoffen daraus erkennt das Pferd irgendwann etwas anderes ist reine Zeitverschwendung. Neu aufbauen und hinführen ist das einzige Konzept das hilft.

Noch ein paar Hinweise: Keine endlosen Wiederholungen. In der modernen Ausbildung von Pferden ist es längst state of the art ein Pferd zu haben dass lernt und assoziativ handelt und nicht eins das konditioniert wird. Es soll keine reflexartigen Reaktionen durch eine Hilfe kommen, sondern die Bereitschaft erlerntes in unterschiedlichen Variationen anzubieten.

Da sind wir aber bei einem anderen Thema mit dem ich mich bei anderer gelegenheit näher befasse.

Zum Schluß noch etwas Wichtiges:

Kein Pferd ist zu alt um mit etwas neuem zu beginnen oder etwas zu lernen oder aufgebaut zu werden, wenn das Pferd gesundheitlich dazu in der Lage ist und den physischen Anforderungen gerecht werden kann.

Permalink 20.12.16 17:54:00, von admin E-Mail , 1472 Wörter, Kategorien: Haltung , Einen Kommentar hinterlassen »

Anforderungen an den Stall immer wieder prüfen

Hallo

 

Ein paar Gedanken über Ställe, denn man muss es als verantwortungsbewusster Besitzer immer im Hinterkopf behalten, dass dies die Heimat des Pferdes ist. Ich möchte nicht auf die unterschiedlichen Arten von Ställen eingehen, die Frage ob Aktiv-, Offen- oder konventioneller Stall ist auch zu individuell und für jede Form der Stallführung gibt es Pferde für die das Angebot zum aktuellen Zeitpunkt das Beste darstellt.

 

Ich ziehe mit dem Pferd um, weil mir die Umstände der Haltung bereits seit längerem schleichend zu schlecht geworden sind und ich keine Besserung sehe. Die Entscheidung für einen Stallwechsel fällt nicht leicht, wenn das Pferd seit vielen jahren eingewöhnt ist aber das soll keine Rechtfertigung sein das Pferd in einer Umgebung zu halten, dass weder der Psyche noch der Gesundheit des Pferdes gerecht wird.

 

Was sind die Gründe für einen Stallwechsel?

-Dem Pferd geht es schlecht

-Die Haltung und die Aufsicht passiert nicht verantwortungsvoll

-Das Futter ist von schlechter Qualität

-Die Fütterung ist falsch

-Das Verletzungsrisiko ist zu hoch

-Die Möglichkeit von Erkrankungen werden durch schlechte Stallhygiene befördert

 

Für mich sind die Gründe zumeist auf das Pferd bezogen, so ist auch das eigene Wohlfühlen im Stall wichtig, denn die eigene Unzufreidenheit wird auch das Pferd mitbekommen. Gibt es dann andere Einsteller die durch ihr verhalten Unruhe und Ärger reinbringen ist das alles andere als Optimal.

Aber wie so häufig liegt die Verantwortung bei der Stallführung und ich musste seit langem feststellen, dass jeder Handgriff zu viel ist und die Interessen der Einsteller unter dem Vermerk "das ist mir vollkommen egal" zusammengefasst werden. Es ist zunehmend über die Jahre aus einem Einstellerbetrieb mit Engagement und Fleiß ein Betrieb geworden der mit Mühe als Selbstversorgerstall zu bezeichnen ist, zum Preis eines Mittelklassebetriebs.

Es ist offenbar weitaus wichtiger eine private Partyhütte auf eine Koppel zu bauen, als endlich die Paddocks pferdegerecht zu gestalten, die nach jedem Regen, tagelang, manchmal über Wochen als dreckige, matschige Kackflächen zu bezeichnen sind.  Die Pferde werden nicht in Gruppen auf Koppeln oder Weiden gebracht, sondern einzeln und das auch nur stundenweise. Fällt das wegen Schlechtwetter aus und das Pferd sieht im Monat ein Koppel nur sporadisch für wenige Tage, ist dennoch der Gesamtbetrag fällig. Wenn plötzlich Preise aufgeteilt werden und jeder Handgriff extra kostet läuten bei mir schon alle Alarmglocken.

Die Anfrage die Einsteller müssen sich das selbst ausmachen wer mit wem auf eine Koppel geht, zeigt schonungslos die absolute Ahnungslosigkeit von Pferdewirtschaft und da kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln. Wieso bietet so jemand an die Verantwortung für Pferde zu übernehmen? jemand der grundsätzlich keine Ahnung davon hat und es gibt dutzende haarsträubende Anekdoten über die Unfähigkeit zur Stallleitung.

Wenn die Stallleitung de facto weniger weiß als ein Stallbursche wüsste, kann man sicher sein dass es im Stall nicht zum Besten steht.

Eine Weidebewirtschaftung kennt man dort nicht mal als Begriff, geschweige denn welche Pflanzen dort nicht wachsen sollten. So ist es kaum verwunderlich dass die Pferde die Flächen zumeist nur dazu nutzen das Gestrüpp niederzutrampeln als tatsächlich zur Futteraufnahme zu nutzen. Reaktionen? "Die wollen sich eben lieber austoben" und ich muss mich zusammenreissen um nicht zu lachen und mir dabei auf die Stirn zu tippen.

 

Es gibt eine Halle aber was es braucht um einen guten Hallenboden oder wenigstens einen den man auch benutzen kann, zu bekommen und zu erhalten ist völlig unbekannt. Die Wahrheit ist, dass der billigste Sand gekauft wurde und ohne Zusätze einmal die Woche für eine Stunde mit Wasser nass gemacht wird. Da gibt es kein Salz oder sonstige Stoffe untergemischt die das Wasser binden könnten, daher ist es nicht verwunderlich, dass bereits nach einem halben Tag eine Staubentwicklung herrscht, die man als gesundheitsgefährdend einstufen muss.

 

Der Putzplatz ist eine Odysee die seinesgleichen sucht oder was soll man zu Futterresten vermischt mit Zigerettenresten sagen? Wenn Einsteller den Dreck einfach liegen lassen und man den Putzplatz reinigen muss bevor er benutzbar ist, ist jedes Verständnis am Nullpunkt angekommen. Spricht man die Leute drauf an, passiert gar nichts und eine Intervention bei der Stalleitung führt wie immer zu einem "Das ist mir egal, da mische ich mich nicht ein". Vermutlich kacken bei diesen Leuten die Tiere ins Wohnzimmer und die finden das ganz normal, anders sind manche Einstellungen nicht zu erklären.

Es kann sein, dass sich manche als zu elitär oder zu wichtig vorkommen um so niedere Tätigkeiten, wie Dreck der eigenen Tiere wegmachen, auch nur in Erwägung zu ziehen, dann wäre es zumindest angebracht den Butler oder das Hausmädchen mitzubringen die das für die "Herrschaften" erledigen, nicht andere Einsteller. Ich bin nicht das  Dienstpersonal von eingebildeten Drecksäcken, die nicht mal genug Geld und Verantwortung mitbringen um im Notfall einen Tierarzt anrufen zu können.

 

Ich könnte endlos so weitermachen und es würde ein Bruchteil davon reichen um einem Stall den Rücken zu kehren und ich habe auch nach über 4 Jahrzehnten mit Pferden wieder etwas gelernt. Man muss sich immer wieder die Zeit nehmen um die Entscheidung ob man aktuell in den Stall einziehen würde einer peniblen Prüfung unterziehen. Bei einer Besichtigung werden so viele Punkte beachtet, es wird überlegt ob das Pferd dort gut untergebracht ist und das darf nicht dazu führen eine einmal gemachte Entscheidung für alle Zeiten ungefragt hinzunehmen.

Zweite Erkenntnis: Nur Stallbetreiber die den Ruf haben streng zu sein, nehmen ihren Stall wirklich wichtig. Nichts ist schlimmer als ein Stallbetreiber dem alles wurscht ist immer abwinken und selbst Mißstände mit absurden Ablenkungen klein reden wollen, das ist genauso schlimm wie Stallbetreiber die für sich andere Regeln aufstellen als für Andere.

Ein Stall MUSS die gemeinsame Aufgabe von Besitzer und Stallbetreiber sein, und es MUSS für beide gleich wichtig sein, nur dann profitiert das Pferd und es gibt die Chance zu einer artgerechten Haltung.

 

Mein Umzug ist der kommende Samstag und ich freue mich für mein Pferd auf eine besseren, wichtigeren, verantwortungsvolleren Platz der meinem Freund gerecht wird.

Permalink 07.07.16 11:43:00, von admin E-Mail , 1042 Wörter, Kategorien: Grundlagen, Haltung , Einen Kommentar hinterlassen »

LED Projekt: NaturalAquaLight

Hallo

 

Neben Pferdethemen gibt es ein Projekt das ich seit 2 1/2 Jahren betreibe und von der ersten Skizze bis heute einige Hindernisse, Neuplanung und einiges für die Mülltonne geschafft hat. Das Ziel: Eine LED Lampe die einen Tag wie in der Natur simulieren soll.

Die NaturalAquaLight wird in der Sonderform für ein Meerwasseraquarium gebaut, NaturalMarineLight.

 

Dieses Projekt gibt es auch auf  Facebook

Permalink 05.05.15 13:43:00, von admin E-Mail , 64 Wörter, Kategorien: Ausrüstung , Einen Kommentar hinterlassen »

Mitreiter

Hallo liebe Pferdefreunde

 

Heute möchte ich ein paar Gedanken und auch Fragen zum Thema Mitreiter stellen.

Mein ganz persönlicher Ansatz zu Mitreitern ist in einem Wort zusammengefasst: Schwierig. Das bedeutet aber nicht dass das für jeden gelten muss, es soll nur bedeuten ein besonderes Augenmerk darauf zu legen wer als Mitreiter in Frage kommt.

Warum ich mir das für mich nicht vorstellen kann ist leicht erklärt: Ich sehe jeden Tag wie Mitreiter im Stall mit Pferden umgehen und jeden Tag wird die Liste meiner Argumente gegen Mitreiter noch länger.

Für mich ist ein Pferd ein Partner für eine sehr lange Zeit. Ich verlange von diesem Partner mir zu vertrauen, sich bei Übungen zu konzentrieren und meiner (An)Leitung zu folgen. Um das in der Form zu erreichen wie ich mir das vorstelle (und viele nur davon reden) braucht es einen intensiven Kontakt, der weit über das Kindchenschema "Pferdchen brav" hinaus geht. Ich behandle und missbrauche mein Pferd nicht als Mittel zum Zweck, nicht als Gaudium und vor allem lasse ich es Pferd sein, und mehr unterstreiche und fördere das Pferd sein.

Pferde zu vermenschlichen und damit stetig zu überfordern weil Forderungen mit einer Erwartungshaltung verknüpft wird die einem Tier niemals gerecht werden kann. Man darf die Intelligenz von Tieren bei weitem nicht unterschätzen und motivierte Pferde schaffen kognitive Leistungen und versuchen sehr oft die an sie gestellten Forderungen zu verstehen und umzusetzen. Dazu gehört es auch zu verstehen was ein Pferd versucht umzusetzen um daraus etwaiige Missverständnisse zu erkennen und Wege zu einem Miteinander zu finden.

Um dieses Verständnis aufzubauen braucht es jahrelange Erfahrung, viel Training und im besten Fall auch unterschiedliche Pferde um individuelle Unterschiede zu verstehen. Mitreiter kommen meist ohne diesem Erfahrungsschatz und leider viel zu oft mit einer zu großen Motivation. Das Ende von Feinfühligkeit und Wissen ist bald erreicht und es herrscht die Situation von Überforderung auf beiden Seiten. Das Pferd mag noch versuchen zu erkennen was verlangt wird und wenn der Reiter die Antworten oder die angebotene Leistung nicht deuten kann wird's meist unschön. Ich kenne keinen fähigen Reiter der als Mitreiter unterwegs ist, zumindest schlüpft er nicht in diese Rolle ohne dafür bezahlt zu werden. Die Mitreiter die sehnsüchtig mit einem Pferd umgehen wollen haben meist nicht das nötige Rüstzeug und manchmal auch nicht den (Pferde)Verstand den es braucht um die Verantwortung von Mitreiten auch tatsächlich übernehmen zu können.

Um die Wahrheit zu sagen unterstelle ich den Personen die eine Mitreitgelegenheit suchen nur eine billige Möglichkeit sich um die Kosten von Reitstunden zu drücken. Ausnahmen mag es geben aber wirklich hilfreich ist das im Normalfall nicht. Da wird eine Reiterfahrung aufgebauscht die sich leider nicht verifizieren lässt und die 2 Wochen reiten in den Ferien vor 20 jahren wird dann schnell zur 20jährigen Reiterfahrung. Das ist für alle Beteiligten im Endeffekt nur mit erheblicher Frustration verbunden.

Den Vorteil von Mitreitern kann nur darin bestehen das Training von Pferden variabel zu gestalten, wobei Planung und Ziele und die Trainingsinhalte ohenhin vorgegeben sind. Einzig die handelnden Personen werden mehr und das ist für ein Pferd auch eine Erfahrung. Wer einen Mitreiter sucht um Abwechslung für das Pferd zu haben sollte seinen eigenen Horizont besser schlagartig erweitern und zu dem einen oder anderem guten Buch greifen.

 

Was muss ein Mensch mitbringen um sich als Mitreiter zu klassifizieren?

Ein guter, verantwortungsvoller Umgang mit Pferden

Wissen und Bereitschaft Trainingspläne umzusetzen

Verlässlichkeit

sehr gute reiterliche Fähigkeiten

 

Was sollte ein Besitzer können um die Mitreiterschaft optimal zu gestalten?

Besitzer die ihr Pferd selbst ausbilden können und nicht nach einem kostenlosen Trainer Ausschau halten

Besitzer die beurteilen können ob der Mitreiter geeignet ist

Fehler korrigieren und Eigenheiten besprechen um eine Anleitung für eine produktive Zusammenarbeit zu geben

Trainingspläne erstellen und vermitteln, Übungseinheiten vorgeben

 

Die Kombination um eine für das Pferd gute oder akzeptable Mitreiterschaft zu begründen bedeutet eigentlich dass beide, Besitzer und Mitreiter, das Mitreiten nicht unbedingt brauchen sondern es sich ergänzt.

Diese Umstände sind im wahren Leben in etwa so häufig wie einen Jackpot im Lotto zu gewinnen. Es ist nicht unmöglich und es braucht viel Glück und die richtigen Protagonisten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Mitreiterschaften die man überlicherweise mitbekommt ist ein gegenseitiges ausnützen zu Lasten des Pferdes und das lehne ich kategorisch ab und nenne solche Konstelationen als schwierig.

Die schlimmste Form von Mitreiterschaft ist eine finanzielle Notwendigkeit und alle damit verbundenen Abhängikeiten können niemals zum Wohle eines Pferdes führen. In dem Fall muss man raten für das Pferd einen geeigneten Platz zu suchen.

 

Allen Mitreitern die sich für "ihr" Pferd einsetzen und es eine gewinnbringende Entwicklung ist wünsche ich weiter alles Gute, jene die das suchen wünsche ich viel Erfolg und jene die nur ihr Ego befriedigen wollen hoffe ich dass sie die Lust verlieren weil sie keinen Dummen finden der Ihnen das ermöglicht.

Es geht immer ums Pferd niemals um euch.

Permalink 16.04.15 16:20:00, von admin E-Mail , 861 Wörter, Kategorien: Ausrüstung , Einen Kommentar hinterlassen »

Benehmen im Stall

Hallo an alle Pferdefreunde

 

Eines was mir seit einiger Zeit immer öfter auffällt ist die Unwissenheit oder die Ignoranz darüber wie man sich in einem Stall und den Trainingsplätzen zu verhalten hat.

In jedem Zoo der Welt wissen die Besucher dass man nicht lärmen soll, das die Umgebung kein Spielplatzersatz ist, fremde Tiere nicht gefüttert werden sollen und man Tiere mit Respekt und Würde betrachtet.

In einem Stall ist das offenbar immer mehr ein Fremdwort und noch mehr lässt man den Mist den man macht einfach liegen, lässt Tiere viel zu lange unbeaufsichtigt an allen möglichen und unmöglichen Orten angebunden stehen, Pferde werden am Putzplatz mit Futterkübeln versorgt, als Anbindestellen die dafür absolut ungeeignet sind werden benutzt und vieles mehr.

 

Wenn man einige Zeit in diversen Ställen zu Gast war hat man irgendwann eine Vorstellung davon wie man sein Pferd untergebracht wissen will und welche Anforderung es an die Umgebung gibt.

Die Reinlichkeit im direkten Bereich der Pferde sollte über jeden Zweifel erhaben sein, denn sonst macht eine Entwurmung einfach keinen Sinn, die Ruhe von Pferden um ihre Trainingseinheiten entsprechend zu verarbeiten und sich zu erholen sollte respektiert und geschätzt werden. Die Sozialisation von Pferden muss durch in diesem bereich gut geschulte Leute begleitet werden um Verletzungen ausschließen zu können.

Es braucht dazu auch Pferdebesitzer die entweder schon wissen um was es geht oder sich raushalten wenn Leute die in Pferdefragen weitaus kompetenter sind Entscheidungen treffen und das auch erklären können. Besonders negativ fallen mir immer wieder Trainer und Übungsleiter der Westernreiter auf, die sich allein durch ihren Reitstil als Pferdefreunde definieren, wenngleich sie diese Eigenschaft in keinem Training tatsächlich unter Beweis stellen können. Dann werden Pferde mit Sporen regelrecht gequält und im Maul gezerrt das Schmerzreaktionen einfach unvermeidlich sind. Für mich ist das Folter und diese Form von "Training" gehört die rote Karte gezeigt und gehört ebenfalls zu den Dingen die in keinem Stall geduldet werden sollen. So benimmt man sich nicht und es gibt einfach eine Grenze wo eine Forderung in Mutwilligkeit umschlägt und sich die "Reiter" einbilden diese Methoden anwenden zu müssen. Das stört IMMER den eigenen Trainingsbetrieb, da man auf kleiner Fläche tickende Zeitbomben neben sich hat die jederzeit völlig unkontrolliert losbrechen können.

Leute die longieren würden niemals ein Pferd an der Longe durch die ganze Halle sprinten lassen wenn andere in der Halle reiten. Diese Form des Egoismus ist brandgefährlich und wie es solche Leute jemals durch eine Prüfung geschafft haben bleibt ein ewiges Rätsel.

 

Die Frage die sich stellt ist ob die Unsitten und gefährlichen Situationen durch unbedachtes handeln zunimmt oder ob die Dummheit nur auffälliger geworden ist. Die Zunahme der Rohheit und Respektlosigkeit gegenüber Pferden kann man schon länger verfolgen und das ist eben die Kehrseite der Medaille dass Pferdesport zunehmend zu einem Breitensport avanciert. jeder der ein paar Wochen mit Pferden zu tun hatte ist bereits Experte auf dem Gebiet und bildet sich ein auf alles eine brauchbare Antwort zu haben.

 

Ein ewiges Thema sind Kinder und ihre Aufsichtspersonen. Jedes Kind weiß über die eigenen Rechte besser Bescheid als über den Respekt den man Pferden in einem Stall entgegenbringen sollte. Ich möchte Kinder erleben wenn andere, fremde Personen sich in ihrem Kinderzimmer so ungeniert aufführen würden wie sie selbst einem Pferdestall. Wer ist nicht leid dass dem eigenen Pferd die Ruhepausen nicht gegönnt werden weil schreiend herumlaufen offenbar jederzeit und ungestört erlaubt ist. Dürfen das Kinder auch um 3:30Uhr im Schlafzimmer der Eltern? Nein? Warum dann in den Ruhezeiten der Pferde in der Umgebung die wir für diese Tiere als zu Hause definieren. Sollte der Respekt da nicht umso größer und aufmerksamer sein?

Ich empfinde als persönliche Beleidigung dass Leute die Bitte nach Ruhe für Pferde beinahe als Beschimpfung empfinden. Solche Leute haben in einem Stall nichts zu suchen, bitte sucht euch andere Hobbys, ihr seit nicht fähig und willens mit Pferden umzugehen. Hört einfach auf damit, es leiden zuviele Pferde unter der Idiotie, der Respektlosigkeit, der Brutalität die in vielen Ställen vorherrscht.

 

Wenn der Faktor der Belastung zu groß wird, wird es Zeit sich nach einer passenderen Umgebung umzusehen, denn ein Pferd hat das Recht auf die Umgebung die es braucht und man ist es dem Pferd schuldig in allen Belangen darauf zu achten. Leute die in Pferden ein Frezeitgerät sehen, eine Abwechslung für ihre Kinder, bitte geht von mir aus 10 mal im Jahr in den Zoo, geht wandern oder befriedigt eure Sehnsucht nach Abwechslung mit irgendwelchen Bastelhobbys aber bildet euch nicht ein dass Pferde das Richtige wären.

Leute die sowohl im Umgang, im Beritt und/oder der Bodenarbeit lernen wollen, eine Interaktion anstreben um dem Hobby einen Sinn zugeben und wissen worauf Wert gelegt wird, sich im Stall einbringen und für eine angenehme Atmosphäre sorgen sind immer gerne gesehen und jeder wünscht sich doch seine Freizeit mit dem Pferd in guter Laune zu verbringen. Das zu erreichen sollte ein leichtes sein, wenn die Erziehung und die Einstellung dazu passt.

Permalink 16.04.15 12:44:00, von admin E-Mail , 877 Wörter, Kategorien: Ausrüstung , Einen Kommentar hinterlassen »

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